Neuropsychologie
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Informationen für Ärzte

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

für eine gute Patientenbehandlung ist die gute Kooperation mit den niedergelassenen Ärzten ein wesentlicher Baustein; zudem wird diese vom Gemeinsamen Bundesausschuss explizit gefordert. Nur durch eine gute Kooperation können wir eine Optimierung der Behandlung zum Wohle unserer gemeinsamen Patienten sicherstellen. Deshalb freuen wir uns auf eine gute Zusammenarbeit.

Die Ambulante Neuropsychologie ist erst seit relativ kurzer Zeit in den Leistungskatalog der Gesetzlichen Krankenkassen aufgenommen worden. Möglicherweise ist nicht allen das Procedere im Sinne der MVV-Richtlinie vertraut. 

Im Folgenden finden Sie Informationen zu den Voraussetzungen, die erfüllt sein müssen, damit eine Behandlung erfolgen kann.

 

Wann kann eine neuropsychologische Therapie in Anspruch genommen werden?

Die Indikation für die ambulante neuropsychologische Therapie ist klar geregelt und die dazu entsprechenden ICD-10-Codes vorgegeben.Diese stellen allerdings erst dann eine Indikation dar, wenn die Diagnose Folge einer akuten Hirnschädigung oder Hirnerkrankung (hirnorganische Störung) ist. Zudem muss eine krankheitswerte Störung in mindestens einem der folgenden Funktionsbereiche vorliegen:

  • Lernen und Gedächtnis
  • Wahrnehmung, räumliche Leistungen
  • Höhere Aufmerksamkeitsleistungen
  • Denken, Planen und Handeln
  • Psychische Störungen bei organischen Störungen.

Bei welchen Krankheitsbildern kann eine neuropsychologische Behandlung nicht durchgeführt werden?

Zur weiteren Differenzierung der Indikation sind Sachverhalte und Krankheitsbilder definiert, bei denen die Durchführung einer neuropsychologischen Therapie ausgeschlossen ist. Dazu gehören das Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom mit oder ohne Hyperaktivität (AD[H]S), angeborene Intelligenzminderungen und Erkrankungen des Gehirns mit progredientem Verlauf im fortgeschrittenem Stadium (z. B. mittel- und hochgradige Demenz vom Alzheimertyp). Bei einer Gehirnerkrankung mit neuropsychologischen Defiziten bei erwachsenen Patienten, deren Beginn länger als fünf Jahre zurückliegt, sind gegebenenfalls auf Antrag bei der Krankenkasse Ausnahmen in begründeten Einzelfällen möglich.

 

Wie erfolgt die Feststellung der Indikation?

Die Feststellung der Indikation für eine neuropsychologische Therapie erfolgt zweistufig: 

  • Stufe 1: somatische Abklärung

In einem ersten Schritt klärt der Arzt ab, ob der Patient an einer erworbenen Hirnschädigung oder Hirnerkrankung leidet.

  • Stufe 2: neuropsychologische Diagnostik, Indikationsstellung, Behandlungsplan

Nach Feststellung der Diagnose prüft ein Arzt oder Psychotherapeut mit neuropsychologischer Zusatzqualifikation, ob eine neuropsychologische Therapie für den Patienten infrage kommt.


Hinweis: Die Diagnostik der Stufe 1 darf aus Gründen der Qualitätssicherung nicht von ein und demselben Arzt durchgeführt werden, der ggf. die neuropsychologische Therapie durchführt.

 

Wer darf Diagnostik und Therapie durchführen?

Die erforderliche Qualifikation wird in § 6 der Anlage zur MVV –Richtlinie geregelt. Danach benötigen Ärzte und Psychotherapeuten, die Leistungen der Diagnostik (Stufe 2) und Therapie abrechnen wollen, eine Genehmigung ihrer Kassenärztlichen Vereinigung. Für die Indikationsstellung (Stufe 1) reicht eine entsprechende Facharztausbildung.

  • Diagnostik Stufe 1

Zur Feststellung der Indikation sind berechtigt: Fachärzte für Neurologie, Nervenheilkunde, Psychiatrie, Psychiatrie und Psychotherapie, Neurochirurgie, Kinder- und Jugendmedizin mit Schwerpunkt Neuropädiatrie oder Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie (vgl. § 6 Abs. 1 der Anlage zur MVV-RL).

  • Diagnostik Stufe 2 und Therapie

Zur Durchführung der spezifischen neuropsychologischen Diagnostik und zur anschließenden Therapie sind nur Ärzte, Psychologische Psychotherapeuten sowie Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten berechtigt, die eine neuropsychologische Zusatzqualifikation nachweisen können (§ 6 Abs.2 der Anlage zur MVV-RL).


Die Anforderungen zur neuropsychologischen Diagnostik und Therapie sind in den Weiterbildungsordnungen der Landespsychotherapeutenkammern beziehungsweise der (Muster-) Weiterbildungsordnung der Bundespsychotherapeutenkammer definiert.

Hinweis: In der ärztlichen Weiterbildungsordnung gibt es bisher noch keine entsprechende Zusatzbezeichnung. Deshalb müssen Ärzte die oben genannten Inhalte inhaltsgleich oder gleichwertig nachweisen, wenn sie eine Abrechnungsgenehmigung zur Durchführung der spezifischen neuropsychologischen Diagnostik und Therapie erhalten wollen.

 
 
 
 
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